Familiendaten der
 Paul Wolfgang Merkelschen Familienstiftung Nürnberg

Sophie Gräfin von Keller[1]

weiblich 1855 - 1936  (81 Jahre)


Angaben zur Person    |    Notizen    |    Quellen    |    Alles    |    PDF

  • Name Sophie Gräfin von Keller 
    Geboren 24 Jan 1855 
    Geschlecht weiblich 
    Gestorben 08 Okt 1936  Rostock,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Personen-Kennung I46194  Paul Wolfgang Merkel | Keller-Daten
    Zuletzt bearbeitet am 16 Sep 2009 | ravo 

    Vater Arthur Graf von Keller,   geb. 28 Jan 1827, Rüsküll,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 09 Dez 1915, Sestrorjezk,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 88 Jahre) 
    Mutter Natalie von Rosenschild-Paulyn,   geb. 22 Mrz 1835, Tarryemen,Witebsk,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 22 Sep 1892, Mariensee,Witebsk,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 57 Jahre) 
    Verheiratet 09 Jun 1853 
    Familien-Kennung F19940  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie Nicolaus Freiherr von Taube 
    Verheiratet 28 Dez 1875  Mostchin,,,,, Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F19955  Familienblatt  |  Familientafel

  • Notizen 
    • E XXII c 1; Bzw. E XXII e 1; Kel 23- 1. 1. 1. 1. 1. 3. 1. 1. 1. 3. 3. 3. 8. 2. 3. 4. 3.11. 5. 1. 9. 1.;
      Kellerbuch S. 99-101: Sophie Freiin von Taube, geb. Gräfin Keller; Auszug aus "Erlebnisse einer Deutsch Russin": Bald nach ihrer Verheiratung im Alter von 24 Jahren war sie gezwungen, mit ihren 2 kleinen Kindern auf ihrLandgut, das 50 km von der Stadt Smolensk gelegen war, zu ziehen, weil die Beaufsichtigung des Verwalters dringend notwendig wurde und ihr Mann als Mitglied des Bezirksgerichts in Smolensk keine freie Zeit hatte. Zwanzig Jahre hatte sie auf diesem Gute gelebt und nach einigen Jahren ihres Dortseins die volle Bewirtschaftung desselben übernommen. Nachdem ihr Mann nach Moskau als Mitglied des Obergerichts versetzt wurde, zog sie über den Winter in die Stadt. 1908 wurde ihr Mann zum Senator der Zivilabteilung in Petersburg ernannt. Ihr Hauptbestreben war immer daruf gerichtet, mit den Bauern ihrer Umgebung in Verbindung zu treten und durch Einführung einer Musterwirtschaft auf ihrem Gute anfeuernd auch bei den Bauern auf eine intensive Bewirtschftung zu wirken. Nach ihrer Überzeugung wirkte die übliche Gemeindewirtschaft verderblich auf die Landbevölkerung,sie war schuld daran, daß der Bauer faul, apathisch , unordentlich und nachlässig wurde. Sie bemühte sich lebhaft, vermittelst ihren nahen Beziehungen, die verantwortlichen Staatsmänner auf diese Übelstände aufmerksam zu machen und Reformen zu erreichen, erntete aber nur Undank und Mißtrauen. Dafür suchte sie bald auf anderem Wege Gutes zu wirken, indem sie unter ihren Bauern und später Soldaten in den Lazaretten durch Vorlesen und Verbreiten des Evangeliums wahren christlichen Glauben ausstreute, den die orthodoxen Priester meist sehr wenig pflegten. Sie hatte dabei die Genugtuung, daß sie sehr bald auf großes Verständnis und wachsendes Verlangen nach solcher geistiger Nahrung traf, was ihr aber bald tödlichen Haß der Orthodoxen Priester zuzog.
      Ihr friedliches Leben auf dem Lande veränderte sich allmählich nach Ausbruch des Krieges durch die unsinnige Hetze gegen alles was deutschen Namen trug, an der sich auch die Priester beteiligten. Sie wurde fortwährend wegen ihres lutherischen Glaubens als Baptistin angefeindet und verleumdet. Während des Weltkriegs tat sie unendlich viel Gutes, indem sie sich in rührender Hingabe um das körperliche wie seelisch Wohl der Verwundeten bemühte. Als im 3. Kriegsjahre die Prügelstrafe in der russ. Armee eingeführt wurde, war ihre Entrüstung maßlos. Sie versuchte alle nur möglichen Wege, um ihre Aufhebung zu erlangen, hatte aber damit keinen Erfolg, dagegen aber wurde sie unter Beobachtung gestellt, wer bei ihr aus und einginge. Sie wurde stets wegen ihres deutschen Namens und protestant. Glaubens verdächtigt und hatte namentlich infolge der Hetze eines Priesters in der Umgebung ihres Gutes unendlich viel Wiederwärtigkeiten und Chikanen durch Verhöre und Untersuchungen, die ihre Gesundheit völlig untergruben. Nach Ausbruch der Revolution und Überhandnehmen des Bolschewismus wurden die Güter geplündert, aber zunächst das ihrige noch unversehrt gelassen. Als dieVerfolgung der Gutsbesitzer immer mehr überhand nahm, entschloß sie sich mit ihrem Mann, das Gut zu verlassen und nach Riga zu flüchten. Nach unter größten Schwierigkeiten erlangter Erlaubnis, in das Spital nach Smolensk gebracht zu werden, da sie schwer krank war, gelang es ihr endlich im Sept. 1918 auf einem Bauernwagen nach Smolensk befördert zu werden, von wo aus nach zirka 10 Tagen mit großer Mühe die Erlaubnis errungen wurde, mit der Eisenbahn nach Molodeschno mit ihrem Manne weiterzufahren, welche Reise in einem schmutzigen Wagen auf ebenso schmutzigen Strohsäcken etwa eine Woce beanspruchte. Von dort wurde dann Riga in zirka 24 Stunden Eisenbahnfahrt erreicht, wo sie Unterkommen bei den Schwiegereltern ihres Sohnes fanden. Durch Ansteckung, wahrscheinlich in dem schmutzigen Eisenbahnwagen, wurde ihr Mann vom Typhus befallen. Aber auch in Riga gab es keine Ruhe, nach ewta 7 Wochen hatten die Bolschewisten ihren Vormarsch dorthin begonnen. Mit ihrem Einzug in Riga begannen sie gleich furchtbare Greueltaten, Plünderungen und Erschießungen unter den Einwohnern. Auch die Familie v. Hahnenfeldt, bei der sie zuerst Unterkommen gefunden hatten, mußte daran glauben. Der alte Herr wurde von den Bolschewisten erschossen und die Frau starb an Typhus im Gefängnis. Die Juden und Letten hausten noch toller als die Bolschewisten in Rußland selbst. Am grausamsten und bösartigsten waren die sogen. "Flintenweiber", die, wenn die Männer sich weigerten, unschuldig Verurteilte zu erschießen, sich erboten, das Todesurteil zu vollziehen. Endlich am 22. Mai kam der Tag der Befreiung durch die Rettungstruppen, der Landeswehr, welche unter Fürsten Lieven einzogen. Dabei befand sich auch ihr Sohn, der mitgewirkt hatte, den Vormarsch der Rettungstruppen zu beschleunigen. Am selben Abend aber erfuhr sie noch, daß ihr Bruder in Kiew Ende Januar von den aufständischen Truppen ermordet worden sei, weil man seine Popularität fürchtete. Als Kiew von den Aufständischen erobert worden war - wurde ihr berichtet - wollten ihn die Deutschen retten, wozu er sich hätte verkleiden sollen. Aber als Ritter aus alter Zeit hatte er den Tod der Flucht in fremder Uniform vorgezogen. Nach kurzer Zeit des Friedens begann der Krieg aufs neue, angezettelt durch die Machenschaften der Entente. Ihr Sohn übernahm den Befehl über die Landwehr, die nominell ein englischer Oberst hatte. Dann kam die Bermont'sche Offensive, ihr Sohn mußte flüchten und bald darauf starb ihr Mann am Herzschlag, worauf sie sich entschloß, nach Deutschland zu reisen, wo sie ihr Sohn mit Ungeduld erwartete. Zur Zeit lebt sie in Rostock.

  • Quellen 
    1. 97.