Familiendaten der
 Paul Wolfgang Merkelschen Familienstiftung Nürnberg

Richard Karl Freiherr von Weizsäcker[1]

männlich 1920 - 2015  (94 Jahre)


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  • Name Richard Karl Freiherr von Weizsäcker 
    Geboren 15 Apr 1920  Stuttgart Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht männlich 
    Gestorben 31 Jan 2015  Berlin Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Begraben 11 Feb 2015  Berlin-Dahlem Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Personen-Kennung I19954  Paul Wolfgang Merkel
    Zuletzt bearbeitet am 13 Nov 2017 

    Vater "Ernst" Heinrich Freiherr von Weizsäcker,   geb. 25 Mai 1882, StuttgartAuswärtigen Amtes Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 4 Aug 1951, Lindau Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 69 Jahre) 
    Mutter Marianne von Grävenitz,   geb. 8 Aug 1889, Stuttgart Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 9 Jan 1983, Lindau Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 93 Jahre) 
    Verheiratet 25 Sep 1911  Charlottenburg Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F8820  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie Marianne Kretschmann,   geb. 17 Mai 1932, Essen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Zuletzt bearbeitet am 13 Nov 2017 
    Familien-Kennung F10063  Familienblatt  |  Familientafel

  • Notizen 
    • KEL ; ZeK 15-1.1.1.2.1.2.1.1.4.2.1.1.4.2.1.1.2.5.;
      Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 16/2010, Zeitgeschehen S.9-10:
      Der Weg ins Politische: Richard von Weizsäcker wurde vor 90 Jahren in Stuttgart geboren
      Ein herausragender Protestant
      Verantwortung wollte er nach dem Zweiten Weltkrieg übernehmen, und wurde einer der meist geachteten Politiker Deutschlands. Richard von Weizsäcker war Bundespräsident und Präsident des Evangelischen Kirchentags. Am 15. April feiert er seinen 90. Geburtstag.
      Für den deutschen Protestantismus nimmt Richard von Weizsäcker eine herausgehobene Stellung ein. Verankert im Glauben wurde ihm der Evangelische Kirchentag zu einer geistigen Heimat. Die Laientreffen sind für ihn bis heute wichtiger Ausdruck einer offener Gesellschaft mit einer- Beheimatung in und Verbindung mit der Kirche; Kirchentag, so Weizsäcker, war nicht gedacht "als Laienreligionsunterricht, sondern als die Suche nach unserer Verantwortung". Er nimmt nicht nur sich selbst, sondern auch seine Generation in die Pflicht, die die Zeit des nationalsozialistischen Regimes erlebt hat. Es geht nicht um Vergangenheitsbewältigung, ein Wort, das er gar nicht mag. Vergangenheit könne nicht bewältigt, werden, man könne sich ihr nur stellen, so der Freiherr. -
      Die evangelischen Laientreffen boten eine ideale Plattform: "Kirchentag war ein Zusammensein, das dem außerordentlich entgegenkam, was wir als junge Leute suchten und was wir als Austausch betrieben. Es ging nicht sehr kirchlich institutionell, sondern relativ ungeregelt vor sich." Richard von Weizsäcker besuchte 1950 in Essen zum ersten Mal den Kirchentag. Es war der Weg "in die politischen Fragen hinein", der Richard von Weizsäcker hier begeisterte.
      Das Leben Richard von Weizsäckers begann in der Weimarer Republik. Er wurde am 15. April 1920 im Neuen Schloss in Stuttgart geboren, wo heute eine Bronzetafel daran erinnert. Dort hatte der Großvater, Karl-Hugo von Weizsäcker, bis 1918 zwölf Jahre lang als Ministerpräsident des Königreichs Württemberg gearbeitet.
      Viele Jahre seiner Kindheit und Jugend verbrachte Richard von Weizsäcker im Ausland - in Basel, Kopenhagen, Oslo und Bern, denn der Vater war Diplomat und ab 1938 Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Berlin.
      Als Deutschland den Zweiten Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen begann, stand Richard von Weizsäcker in der ersten Reihe. Am 1. September 1939 überschritt er als Soldat des berühmten Infanterieregiments 9 die deutsch-polnische Grenze. Am Tag darauf fiel sein Bruder Heinrich in seiner unmittelbaren Nähe: "Kaum hatte der Krieg begonnen, hatte er mein Leben schon für immer geprägt; es war nie mehr dasselbe wie zuvor", schrieb er in seinen Erinnerungen. Richard von Weizsäcker war während des gesamten Krieges Soldat, wurde verwundet, hatte Kontakte zum Widerstand um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, erlebte das Ende des Krieges schließlich auf dem Hof der Großmutter in Lindau am Bodensee. Er entstammt einer berühmten und traditionsreichen Familie. Theologen, Wissenschaftler und immer wieder Politiker sind in ihren Reihen zu finden. Der Vater war Staatssekretär unter Außenminister Joachim von Ribbentrop, stand nach dem Krieg im Wilhelmstraßenprozess vor Gericht - Richard von Weizsäcker, mitten im Jura-Studium, unterstützte seinen Vater bei der Verteidigung. Sein Bruder Carl Friedrich war .ein weltbekannter Physiker und Philosoph. Die Bürde der Familientradition war groß, aber Richard von Weizsäcker sah sie immer als Chance. Die hervorragende Ausbildung und gute Kontakte halfen beim Start in den Beruf. Er machte in den fünfziger Jahen eine steile Karriere in der Industrie, so, wie sie vermutlich nur in der Wirtschaftswunderzeit möglich war. Und er heiratete 1953 Marianne von Kretschmann. Vier Kinder machten die Familie bald komplett.
      Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag . engagierte er sich in den sechziger Jahren in verantwortungsvoller Position. Von 1964 bis 1970 war er Präsident, musste das Laientreffen den politischen Fragen der turbulenten Zeit öffnen. Der erste Kirchentag, dem er vorstand, fand 1965 in Köln statt. Was Laien in der evangelischen Kirche leisten können und sollen, hat er so formuliert: "Die Kirche ist nicht für sich selbst, sondern eben für diese uns gefährdende Welt da und teilt ihre Fragestellungen. Die Kirche soll Zeugnis geben. Dazu müssen wir unseren Glauben und Unglauben miteinander tragen." Wie man ganz konkret gesellschaftliches Engagement in die Politik tragen kann, zeigte Richard von Weizsäcker in der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche. Er, der seit 1954 der CDU angehörte, ohne sich groß in Parteigremien zu engagieren, war einer der Verfasser der so genannten Ostdenkschrift. Diese Arbeit widmete sich dem damals hochbrisanten Thema der Vertriebenen, ihrer Situation in Deutschland sowie dem Verhältnis des deutschen Volks zu seinen östlichen Nachbarn und sie forderte nicht mehr und nicht weniger als eine Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Ein damals ungeheurer Vorgang, der Richard von Weizsäcker viel Kritik einbrachte, aber die Verständigungspolitik der sozialliberalen Koalition mit Polen vorwegnahm.
      Helmut Kohl holte ihn schließlich in die praktische Politik. 1969 wurde Richard von Weizsäcker in den Bundestag gewählt. Sein Thema blieb die deutsch-polnische Aussöhnung: "Ich bin wegen, dieser meiner Überzeugung, dass dies die zentrale Aufgabe der Gegenwart sei, zum ersten Mal angetreten für ein politisches Wahlamt", erinnert er sich. Er half maßgeblich, die Ostverträge durchs Parlament zu bringen, widmete sich dem Grundsatzprogramm seiner Partei und kam als Regierender Bürgermeister von Berlin in den Genuss, Politik vor Ort gestalten zu können. Bisweilen Wurde ihm vorgeworfen, etwas über den Dingen zu schweben, mehr der Theorie als der Praxis verpflichtet zu sein - in Berlin, seiner Stadt der Kindheit und Jugend, belehrte er die Kritiker eines Besseren. 1985 wurde Richard von Weizsäcker zum Bundespräsidenten gewählt und hielt gleich im Folgejahr seine bedeutsamste' Rede. Zum 40. Jahrestag des Kriegsendes setzte er Signale, die weit über Deutschland hinaus Beachtung und Anerkennung fanden: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft", war eine der wichtigen Botschaften. Nach dem Fall der Mauer 1989 war Richard von Weizsäcker der erste gesamtdeutsche Bundespräsident. Auch seit dem Abschied aus dem Staats Amt blieb der in der Bevölkerung überaus beliebte Weizsäcker präsent - als Talkshow-Gast, Interviewpartner, international gefragter Regierungsberater und Redner. Bis in die Gegenwart hält er Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer wieder einen Spiegel vor und spart nicht mit Kritik - zum Beispiel an den Pateien und deren zügelloser Machtgier. Richard von-Weizsäcker ist kein Lautsprecher, sondern ein kluger Beobachter, der zuhören kann, intelligent analysiert und wohlüberlegt seine Worte setzt. Er ist charmant und sogar witzig, hat keine Skandale produziert, immer eine gewisse, wohltuende Distanz gehalten und sich Unabhängigkeit im Denken und Handeln bewahrt - „kein Schatten auf dieser Gestalt", hat die kürzlich verstorbene Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann einmal über ihn gesagt. Manchen ist dies allzu viel des Lobes - doch bevor man in typisch-deutsche Krittelei verfällt, sollte man sich anhören und durchlesen, was Richard von Weizsäcker geschrieben und zu sagen hat.
      Andreas Schmid
      Buch-Tipp
      Von dem Autor ist kürzlich erschienen: Maßstäbe setzen. Auf den Spuren Richard von Weizsäckers. 152 Seiten, Wichern-Verlag 2010, 14.90 Euro.

  • Quellen 
    1. Schiller (Dinkel/Schweizer) S. 105.