Merkelstiftung

Inhalt


Text des ersten Artikels

Statut
des
Paul Wolfgang Merkelischen Familienstifts
1858

Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Amen!

Erster Artikel

Die vom Herrn Marktvorsteher Paul Wolfgang Merkel in Nürnberg, unserem Herrn Vater und Großvater seelig, herrührenden und von ihm gesammelten Kunstsachen, Handschriften, Bücher und das Familienarchiv samt Inventar, wie Alles schon bisher als ein Ganzes und der Familie Merkel zugehöriges Gut angesehen und aufbewahrt worden, und in dem am Schlusse beigefügten Verzeichnisse beschrieben ist, - bilden von nun an ein zur Ehre unseres genannten Vorfahren und zum Frommen unserer Nachkommen eine Stiftung der Merkelschen Familie, unveräußerlich, es sei den nach den Bestimmungen dieses unseres Statuts, und insolange auch untrennbar.

Wir Unterzeichnete, dermalen die Eigenthümer dieser Sammlung, haben uns in Eintracht verbunden, dies unser Eigenthum zu solcher Stiftung zu verwenden, um es dadurch der Nachwelt zum unverkümmerten Genuß und dem Geschlechte unseres Namens zum Gedächtnis seiner Ahnen als einen Mittelpunkt zu erhalten, um den es so lange Gott gefällig in dieser Welt vereinigt bleibe.


Facsimile der beiden ersten Seiten der Familiensatzung



Zur Familiensatzung sagt Dr. Stefan Merkel:

Das Statut des „Paul Wolfgang Merkelischen Familienstifts" stammt aus dem Jahre 1858. Es umfasst Paragraphen bzw. Artikel. Untergliedert ist es in
  • Grundlagen (Artikel 1-3),
  • Stiftungsverwaltung (Artikel 4 - 11),
  • Sammlungen der Stiftung (Artikel 12- 15),
  • Genuss der Stiftungsrenten (Artikel 16-24) und
  • einen Anhang (Artikel 25), in dem Regelungen für Streitfälle getroffen sind.
Angefügt an das Statut sind ein Verzeichnis der Sammlungen und Inventurstücke sowie Briefwechsel und Protokoll.

Das ,,Kapitalgrundvermögen" der Stiftung betrug 2000 rheinische Gulden. Ein silberner Tafelaufsatz von Wenzel Jamnitzer war so wertvoll und begehrenswert, dass ,,Seine Majestät der König" sich ein Vorkaufsrecht vorbehielt. Zu den Stiftungsgütern gehört auch eine ,,Collectio Dueriana", die u. a. eine Sammlung von Holzschnitten in 151 Abdrücken enthält. Der Originaltext umfasst mit Deckblättern 32 Seiten. Bei Interesse bestehen bei den Mitgliedern des Familienrates Ausleih- oder Kopiermöglichkeiten.

Der seinerzeit übliche übertrieben devote Stil mutet heute im 21. Jahrhundert manchmal fremdartig an. In dem Schreiben über die Stiftung an den König heißt es beispielsweise am Schluss:

,,Geruhe daher Eure Königliche Majestät in Gnaden dieses unser allerehrfurchtsvollest überreichte Statut unseres Familienstiftes zu vernehmen und aus Königlicher Machtvollkommenheit zu bestätigen, wodurch wir von Neuem zu unauslöschlichem Danke und zur unverbrüchlichen Treue verpflichtet werden, die wir in allertiefster Ehrfurcht ersterben..."

Das Statut muss nach rund 140 Jahren behutsam geändert und ergänzt werden. Juristisch fundierte Vorschläge unterbreitete hierzu Dr. Friedrich Merkel, Rechtsanwalt in Augsburg. Gegenstandslos geworden ist das Kapitel über Stiftungsrenten, da es zur Zeit keinen Kapitalzuwachs gibt. Seinerzeit war festgelegt worden, dass die Ratsmitglieder ,,evangelisch-lutherischen Bekenntnisses" seien und dass sie ,,in der Stadt Nürnberg oder deren nächsten Umgebung" wohnen. Vorgeschlagen wird nun, dass das evangelisch-lutherische Bekenntnis durch das Erfordernis des christlichen Bekenntnisses.ersetzt wird. Im Zeitalter der Mobilität kann die Ortsansässigkeit in Nürnberg nicht mehr zu den relevanten Forderungen gehören.

Um die geschichtlich interessante und traditionsreiche ursprüngliche Satzung mit ihrem ehrwürdigen Charakter nicht zu verändern, sollen die Ergänzungen nach Präzisierung und exakter Formulierung der originalen Stiftungssatzung angehängt werden. Dazu ist ein Beschluß des Familienrates notwendig. Während eines Familientages sollen die Veränderungen bekannt gegeben werden. Außerdem ist vorgesehen, sie in der Familienzeitung zu veröffentlichen.

 

Homepage erstellt von Rainer Volck , letzte Änderung 13. September 2008